Forschungsaktivitäten

Das HKFZ Trier bündelt in interdisziplinärem Zusammenhang Forschungsaktivitäten mit einer historischen Ausrichtung aus verschiedenen kulturwissenschaftlichen Disziplinen.Der explizit historische Forschungsansatz des Zentrums basiert auf der Überlegung, dass Beiträge zum Verständnis und zur Gestaltung aktueller gesellschaftlicher Strukturen nur auf der Grundlage systematischer Untersuchungen ihrer historischen Wurzeln geleistet werden können.

Das HKFZ fördert eine arbeitsteilige inter- und transdisziplinäre Forschung und ermöglicht derart Ergebnisse, die mit der konventionellen individuellen und einzelwissenschaftlichen Forschungstätigkeit in den historischen Kulturwissenschaften nicht zu erzielen sind.

Die Projektarbeit wird begleitet von einer wissenschaftstheoretischen und methodologischen Reflexion, die in einer erkennbaren Beziehung zu den Einzelwissenschaften und deren Forschung steht.Damit will das Zentrum über die konkrete Arbeit am Projekt hinaus einen Beitrag zu einer wissenschaftstheoretischen und methodologischen Grundlegung der historischen Kulturwissenschaften leisten.

„Seit dem ausgehenden europäischen Mittelalter hat sich das Reisen als eine Praxis nicht nur der Erschließung des Raumes, sondern auch der Ausbildung neuer Wissensbereiche etabliert.“

Forschungskonzept

Das aktuelle Forschungsprogramm des HKFZ „Räume des Wissens – Reisen als epistemisches Konzept“ geht von der Grundannahme aus, dass sich das Reisen spätestens seit dem ausgehenden europäischen Mittelalter als eine Praxis nicht nur der Erschließung des Raumes, sondern auch der Ausbildung neuer Wissensbereiche etabliert hat. Reisen werden selbst zum Gegenstand eines „apodemischen“ Expertenwissens und tragen im gleichen Zug dazu bei, dass Wissensprozesse insgesamt zunehmend räumlich gedacht und strukturiert werden.
Im Fokus der im HKFZ gebündelten Forschungsprojekte steht das Zusammenspiel theoretischer, technischer, sozialer und ästhetischer Voraussetzungen und Traditionslinien des Reisens, durch welche die Begegnung mit dem Anderen und Neuen reglementiert wird, die aber auch selbst im Zuge des Reisens neu ausgehandelt werden.Zunächst kann die Reise als theoretisches Konzept verstanden werden, das etwa in Form der Pilger-, Bildungs-, Entdeckungs- oder Forschungsreise innerhalb eines historischen Wissenssystems verortet und mit anderen Feldern des Wissens vernetzt ist. Reisen konstituieren dabei immer auch Bereiche des Nicht-Wissens, die etablierte Wissensordnungen herausfordern.

Zweitens kann die epistemische Reise als Zusammenschluss mehrerer Raum- und Wissenspraktiken gefasst werden, wobei Techniken der Datenerhebung wie Sammeln, Messen, Kartographieren, Notieren oder Fotografieren ebenso in den Vordergrund treten wie die apparativen Bedingungen des Reisens. Die konkreten Praktiken der Wissenserzeugung lassen dabei ein „Laboratorium des Reisens“ entstehen, das bestimmte Arten epistemischer Objekte hervorbringt.Drittens sind Planung und Ablauf von Reisen ebenso wie die Entscheidung darüber, was nach der Rückkehr als Wissensbestand in den kulturellen Diskurs eingespeist wird, Ergebnisse sozialer Aushandlungsprozesse, die etwa im Falle der großen frühneuzeitlichen Entdeckungsreisen bis heute anhalten. Einige Reisen können so auch als Medienereignisse begriffen werden, die sich im Diskurs immer von neuem aktualisieren.

Epistemische Relevanz gewinnt die Reise dabei viertens durch Formen der Ästhetisierung oder Narrativierung, welche auch in naturwissenschaftlichen Kontexten die Wissensgenese erst ermöglichen. Fiktive und phantastische Reisen können zudem alternative Topographien entstehen lassen, welche in einem komplexen Verhältnis zu offiziellen Wissensformen stehen, diese reflektieren und sichtbar machen.

Publikationsreihe

„Trierer Beiträge zu den historischen Kulturwissenschaften“

Aus den Forschungsarbeiten der Mitglieder und Kooperationspartner des HKFZ gehen regelmäßig wissenschaftliche Publikationen hervor. Die meisten der im Rahmen des HKFZ entstandenen Arbeiten werden in der zentrumseigenen Publikationsreihe, den Trierer Beiträgen zu den historischen Kulturwissenschaften veröffentlicht.

Die Reihe versteht sich als Forum für historisch orientierte und fächerübergreifende Forschungen aus dem Bereich der Kulturwissenschaften. Neben Sammel- und Tagungsbänden können auch monographische Studien und Ausstellungskataloge innerhalb der Reihe publiziert werden. Als Herausgeber der Buchreihe fungiert der Vorstand des HKFZ. Die im Herbst 2010 eröffnete Reihe erscheint im Verlag Dr. Ludwig Reichert, Wiesbaden.

Band 1

Christian Jörg/Michael Jucker: Spezialisierung und Professionalisierung. Träger und Foren städtischer Außenpolitik während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, Wiesbaden 2010.

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Band 2

Natalia Filatkina/Birgit Ulrike Münch/Ane Kleine-Engel: Formelhaftigkeit in Text und Bild, Wiesbaden 2012.

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Band 3

Michael Embach/Claudine Moulin/Andrea Rapp: Die Bibliothek des Mittelalters als dynamischer Prozess, Wiesbaden 2012.

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Band 4

Natalia Filatkina/Martin Przybilski: Orte – Ordnungen – Oszillationen. Raumerschaffung durch Wissen und räumliche Struktur von Wissen, Wiesbaden 2011.

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Band 5

Stephan Günzel/Lars Nowak: KartenWissen: Territoriale Räume zwischen Bild und Diagramm, Wiesbaden 2012.

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Band 6

Gisela Drossbach/Gottfried Kerscher: Utilidad y decoro – Zeremoniell und symbolische Kommunikation in den ‚Leges Palatinae‘ König Jacobs III. von Mallorca (1337), Wiesbaden 2013.

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Band 7

Melanie Panse: Hans von Gersdorffs ‚Feldbuch der Wundarznei‘. Produktion, Präsentation und Rezeption von Wissen, Wiesbaden 2012.

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Band 8

Eva Johach/Diethard Sawicki: Übertragungsräume. Medialität und Raum in der Moderne, Wiesbaden 2013.

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Band 9

Martin Przybilski/Nikolaus Ruge (unter Mitarbeit von Leonie Butz und Hanna Häger): Fiktionalität im Artusroman des 13. bis 15. Jahrhunderts.  Romanistische und germanistische Perspektiven, Wiesbaden 2013.

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Band 10

Ulrich Port/Martin Przybilski: Orts-Wechsel. Reale, imaginierte und virtuelle Wissensräume, Wiesbaden 2014.

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Band 11

Martin Przybilski/Carsten Schapkow: Konversionen in Räumen jüdischer Geschichte, Wiesbaden 2014.

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Band 12

Sabine Philippi/Philipp Vanscheidt: Digitale Rekonstruktionen mittelalterlicher Bibliotheken, Wiesbaden 2014.

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Band 13

Irina Gradinari/Dorit Müller/Johannes Pause: Wissensraum Film, Wiesbaden 2014.

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Band 14

Birgit Ulrike Münch/Jürgen Müller: Peiraikos’ Erbe. Die Genese der Genremalerei bis 1550, Wiesbaden 2015.
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Band 15

Christian Jörg/Christoph Dartmann: Der „Zug über Berge“ während des Mittelalters. Neue Perspektiven der Erforschung mittelalterlicher Romzüge, Wiesbaden 2014.

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Band 16

Katharina Hanuschkin: Intrigen – Die Macht der Möglichkeiten in der mittelhochdeutschen Epik, Wiesbaden 2015.

Band 17

Claudia Bruns: Rasse und Raum – Topologien zwischen Kolonial-, Geo- und Biopolitik: Geschichte, Kunst, Erinnerung, Wiesbaden 2017.

Band 18

Irina Gradinari/Dorit Müller/Johannes Pause: Versteckt – Verirrt – Verschollen. Reisen und Nichtwissen, Wiesbaden 2016.

Band 19

Folke Gernert/Alex Demeulenaere: Chorographies: Les mises en discours de la ville, Wiesbaden 2017.